Der Übergang von den traditionellen Quilts zu den modernen Quilts verlief nicht immer konfliktfrei. Ab den 2000er Jahren gab es die modernen und die traditionellen Quilter. Die einen nähten aufwendige Blöcke, quilteten mit der Hand und die anderen wollten Quilts für ihre moderne Wohnung mit großen freien Flächen und asymetrischen Layouts.
Moderne gegen traditionelle Quilts
Als ich die modernen Quilts Anfang der 2000er Jahre entdeckt habe, gab es manchmal richtige Grabenkämpfe zwischen den modernen und den traditionellen Quilterinen. Damals war ich sehr erstaunt über diese Diskussionen.
Ich erinnere mich an einen Zeitungsartikel, in dem eine junge moderne Quilterin über ihre Quilts geschrieben hat, die nicht wie die Grandmas Quilts wären. Sie hat einen echten Shitstorm geerntet. Das war der erste Shitstorm, den ich beobachtet habe und ich war total entsetzt über die Vehemenz, mit der dort die andere Seite schlecht gemacht wurde. Die junge Quilterin hat richtig schicke Quilts genäht, wurde aber komplett diskreditiert.
In den folgenden Abschnitten möchte ich einige Punkte aufgreifen. Ich habe einige fiktive Personen zu Wort kommen lassen. Aber um es gleich vorweg zu sagen: die modernen Quilts haben sich ihren Platz in der Quilt-Welt inzwischen erobert und die „Abgrenzungen“ haben nachgelassen. Geblieben sind bei mir die Erinnerungen daran. Das greife ich heute ein wenig satirisch auf.
Quilt-Satiren oder Quilt-Shit-Storms
Hier sind einige Punkte, die in der Anfangszeit der modernen Quilt-Bewegung diskutiert wurden. Ich lasse zwei Personen zu Wort kommen: eine moderne und eine traditionelle Quilterin.
Bei den Diskussionen wurden die jungen modernen Quilterinnen als absolute Nicht-Könnerinnen abgekanzelt und die alten traditionellen Quilterinnen als verstaubte geschmacklose Omas. „Not your Grandmas Quilt“ wurde als absolute Beleidigung aufgefasst.
Leider sind die tatsächlichen Gespräche in den 2000er Jahren nicht versöhnlich ausgegangen.
Was sagt eine traditionelle Quilterin über das Longarmquilten?
Oh mein Gott, Longarmquilten ist der Untergang der Quiltkunst!
Es ist so, als ob man einen Ferrari fährt, um ein Paket zur Post zu bringen. Wo ist der Spaß an der Sache, wenn man nicht selbst Hand anlegt?
Mit Longarmquilten verliert man den Kontakt zum Stoff und zum Quilt, man verliert quasi die Kontrolle über das Werk. Der Quilt wird von Longarmerinnen fertig gestellt. Das ist dann so, als würde man den Kuchen backen lassen, anstatt ihn selbst zu backen – es ist einfach nicht dasselbe.
Und dann gibt es diese riesigen Maschinen, die aussehen, als würden sie aus einem Science-Fiction-Film stammen – das ist wirklich keine natürliche Quiltkunst.

Wenn man wirklich einen Quilt machen will, sollte man es selbst tun, mit seinen eigenen Händen quilten und damit seine eigene Persönlichkeit hinzufügen – egal, wie lange es dauert.
Longarmquilten ist nichts weiter als eine Abkürzung für faule Quilter! Die jungen Leute können nichts und dafür brauchen sie die Maschinen.
Was sagt eine moderne Quilterin über einen traditionellen braunen Quilt?
Oh je, ein traditioneller brauner Quilt!
Es geht doch nichts über einen guten Klassiker, aber wenn es um Quilts geht, gibt es so viele Möglichkeiten, kreativ und innovativ zu sein! Ein brauner Quilt ist so langweilig und uninspiriert – es ist wie ein schwarz-weiß Film in einer Welt voller Technicolor.
Wo sind die leuchtenden Farben, die modernen Muster, und die frechen Designs? Wenn ich einen Quilt mache, will ich, dass er lebt und leuchtet, dass er eine Geschichte erzählt und einen Eindruck hinterlässt.
Ein traditioneller brauner Quilt ist nur ein weiterer Grund, um einzuschlafen – wenn man schon Zeit und Mühe investiert, um etwas selber zu machen, warum dann nicht etwas schaffen, das die Menschen aus den Socken haut?!
Anmerkung Martina: Es gibt auch richtig schöne Braun-Töne!
Was sagt eine junge Frau über eine traditionelle Quilterin?
Was ich über eine traditionelle Quilterin sage? Es ist cool, dass sie ihre Nadel und den Faden richtig gut beherrscht.
Aber wer will wirklich etwas machen, das unsere Großmütter schon gemacht haben? Da habe ich tatsächlich das Gefühl, dass das Spitzenhäubchen noch fehlt und die kleine runde Lesebrille auf der Nase ist bestimmt auch dabei.

Wir leben doch in einer Zeit, in der wir alles auf Knopfdruck haben – warum sollte man dann Stunden damit verbringen, ein Stück Stoff per Hand zusammenzunähen? Es ist irgendwie süß, aber auch ein bisschen altmodisch und rückständig. Der Quilt soll schließlich irgendwann auch fertig werden.
Die modernen Quilterinnen sind richtig erfindungsreich bei der Entwicklung neuer Techniken. Sie haben tolle Lineale, Wahnsinnsmaschinen und noch mehr Computerprogramme, da muss man doch nicht im 19. Jahrhundert stecken bleiben.
Es gibt so viele moderne Möglichkeiten, um kreativ zu sein – von Grafikdesign bis hin zu 3D-Druck – warum sollte man sich da auf etwas beschränken, das schon so alt ist wie die Zeit selbst? Ich denke, die traditionelle Quilterin ist einfach ein bisschen zu sehr in ihrer eigenen Zeit stecken geblieben – es ist an der Zeit, mit der Zeit zu gehen und zu etwas Neuem überzugehen!
Was wäre wenn…Modern und Tradition als Einheit
man alle diese unterschiedlichen Punkte verbindet? Also eine Verbindung zwischen den alten Techniken und den modernen Techniken. Die jungen Frauen haben nicht so viel Zeit fürs Quilten. Da sind Schnellschneide-Techniken und Quiltmaschinen sicher eine gute Sache.

Die traditionellen Muster sind eine großartige Inspirationsquelle auch für moderne Quilts. Und auch die Handnähtechniken sind für bestimmte Dinge perfekt. Man kann die traditionellen Blöcke vergrößern und Handquilten mit ganz dicken Fäden hat ebenfalls einen tollen Effekt.
Ich möchte alle Vorurteile an die Seite schieben und mithilfe von allen möglichen Techniken einzigartige Quilts schaffen. Wenn Du über moderne und traditionelle Grenzen gehst, kannst Du Quilts mit Persönlichkeit und Stil machen.
Also, wenn du bereit bist, dich von den traditionellen Quilts zu lösen und eine moderne Quilterin zu werden, dann nutze Deine Fertigkeiten und mache tolle moderne Quilts. Du hast die Fähigkeiten und die Ideen kommen von selbst!

Und wenn Du eine moderne Quilterin bist, dann lohnt ein Blick in die traditionellen Musterbücher und Techniktrainings. Damit bringst Du Deine Quilts möglicherweise auf eine neue Stufe – zumindest bekommst Du einige interessante Ideen.
Beide Quilt-Richtungen zusammen werden die Welt des Quiltens neu definieren und einen neuen Standard setzen! Darauf wette ich!
Wie sieht es bei dir aus? Bist du eine ganz moderne Quilterin oder liebst du auch die traditionellen Muster?
